Ein ETF Portfolio absichern bei einem Börsen Crash – Wie man ein ETF Sparplan Depot gegen fallende Kurse absichern kann

ETF Portfolios lassen sich einfach und vielfältig gegen Marktkorrekturen und Börsencrashs absichern. Scharfe Korrekturen und Crashphasen sind nicht nur am Aktienmarkt eine sich immer wiederholende Standardsituation und gehören zum normalen langfristigen Marktgeschehen. Egal ob Aktien, Anleihen oder Rohstoffe wie Gold, alle haben in unregelmäßigen Abständen ihre Korrekturphasen oder Crash-Ereignisse. Im Chart zu sehen ist der DAX ab 2000-2003 nach dem Platzen der DotCom Blase. Der "Fun Fact" liegt darin, dass damals im DAX nur sehr wenige Technologieunternehmen gelistet waren. Auch der MSCI World korrigierte zur damaligen Marktphase um mehr als 60 Prozent inkl. zusätzlichem vorhandenen Währungsrisiko gegenüber dem Euro!

Exchange Traded Funds (kurz „ETF“) kann man mit vielfältigen Instrumenten gegen fallende Börsenkurse am Kapitalmarkt absichern. Dies gilt sowohl für ETF Depots bzw. Portfolios die direkt aufgebaut wurden (Durch größere Einzelkäufe), als auch für die ETF die per Wertpapiersparplan nach und nach akkumuliert wurden. Ob man nun in einem Börsencrash oder bei einer Korrektur am Markt sein ETF Portfolio absichert, oder doch lieber die ETF verkaufen, halten oder im Idealfall sogar nachkaufen möchte, liegt bei jedem Anleger selbst. In diesem Beitrag soll es jedoch grundsätzlich nur darum gehen, ein bestehendes ETF Depot gegen fallende Börsenkurse und vor allem größere Markteinbrüche teilweise oder sogar vollständig abzusichern. Ich habe in meinem privaten ETF Portfolio keine Absicherungen laufen und verfolge dort eine einfach Nachkaufstrategie, welche in allen investierten Anlageklassen bei jeweiligen Marktkorrekturen oder ausgeprägten Crashphasen angewandt wird. Trotz allem bin ich unabhängig von meinem konservativen und langfristigen ETF Depot hin und wieder in strategische Short Positionen (Puts) auf Einzelaktien und Marktsegmente investiert. Auch solche Möglichkeiten können sich zur bedingten Absicherung eines bestehenden ETF Portfolios eignen.

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Wie kann ich mein ETF Portfolio bzw. meinen ETF Wertpapiersparplan gegen fallende Börsenkurse absichern?
Es gibt etliche populäre Absicherungsmöglichkeiten von Assets (Anlageklassen) in einem Portfolio, um strategisch gegen fallende Notierungen vorzugeben bzw. diese abzusichern. Ich habe dazu auch vor einige Zeit die folgenden Beiträge geschrieben: „Die einfache Strategie zur Depotabsicherung per Mini Future Short Zertifikat oder Reverse Bonus Zertifikat“ sowie einen kurzen Ergänzungsartikel zum Thema „Aktienabsicherung in Teil-/und Vollabsicherung“. Wer sich für weitere Absicherungsmöglichkeiten und Verlustbegrenzungen interessiert, der sollte den Klassiker „5 Möglichkeiten seine Aktien und sein Depot vor Verluste zu schützen“ lesen. Hier möchte ich jedoch eine der einfachsten Arten und am leichtesten zu verstehenden Ve­hi­kel der Portfolioabsicherung vorstellen, den „Open End Turbo Put Optionsschein“. Diesen gibt es sowohl zur Absicherung bzw. zum „Short-gehen“ d.h. auf fallende Kurse zu setzen in Bezug auf Indizes, Einzelaktien, Rohstoffe und Anleihen-Indizes.

Wie kann ich gezielt mit einem Open End Turbo Put Optionsschein mein Depot absichern und wie funktioniert dieser?
Die Basisfunktionsweise eines Open End Turbo Put Optionsscheines ist leicht erklärt. Ich möchte hier nicht in die technische Tiefe des Produkts gehen, sondern nur die wichtigsten Informationen dazu geben, die mir relevant erscheinen. (Vor einer Investition sollte man jedoch immer ausführlich die entsprechende Emissionsunterlagen der Emittenten lesen und verstehen!)

Ein Turbo Put Optionsschein hat aus meiner Sicht im Grunde nur folgende fünf wichtige Kennzahlen und Eigenschaften.

  1. Es ist ein Put, das heißt man verdient hier nur bei fallenden Börsenkursen!
  2. Es ist ein „Open End“ Optionsschein , d.h. er hat keine Laufzeitbegrenzung, außer er läuft ins „KO“, dann wird er wertlos ausgebucht.
  3. Der Turbo Put Optionsschein hat ein KO (Eine Schwelle/Kursbewertung bei der er wertlos verfällt!)
  4. Der Optionsschein hat einen Hebel, dieser gibt an wie stark man am Kursverfall seines hinterlegten Basiswertes partizipiert. Einfaches Beispiel: Ein Turbo Put auf den DAX hat einen Hebel von 5 bei Kauf des Optionsscheins. Der Dax fällt um 1 Prozent seines Wertes, der Put steigt in diesem Fall um 5 Prozent.
  5. Ein Optionsschein hat von der Marktlage und seines Hebels abhängige Finanzierungskosten. Mit der Zeit und je höher der Hebel und somit auch die Kosten ausfallen, sinkt die KO Schwelle. Hat man z.B. einen Turbo Put mit einem KO von 100 auf eine Aktie gekauft und diese bewegt sich über Monate Seitwärts, dann sinkt die KO Schwelle in dieser Zeit z.B. auf 98 Euro. Je höher der Hebel, umso schneller sinkt diese Schwelle aufgrund der vorhandenen Finanzierungskosten.

Einsatz eines Open Ende Turbo Put Optionsscheins anhand einer „Komplettabsicherung“ eines ETF Depots mit konkretem Beispiel:
Wie sichere ich nun mein ETF Portfolio gegen fallende Kurse mit einem Turbo Put Optionsschein ab? Zunächst gilt es den passenden Open End Turbo Put Optionsschein zu finden. Ich nehme meist die Derivate von der UBS oder von HSBC. Hat man z.B. ein sehr simples ETF Depot, bestehend aus einem einzelnen DAX ETF, so kann man dieses sehr einfach gegen fallende Kurse absichern. Indem man einen passendes Open End Turbo Put Optionsschein auf den DAX wählt ist eine nahezu Vollabsicherung des Wertes möglich. Sagen wir im Beispiel, dass der DAX aktuell bei 10000 Punkten steht und man Anzeichen registriert, dass er bald ordentlich fallen könnte. Man traut ihm aber noch maximal eine Steigerung auf bis zu 12000 Punkte zu. Eine „Vollabsicherung“ ist in diesem Fall sehr einfach anhand des folgenden Beispiels zu bewerkstelligen:

Beispiel zur ETF Portfolioabsicherung mittels DAX Short

  • DAX ETF Depot Wert 10000 Euro
  • Abzusichernde Summe 10000 Euro, bis zu einer charttechnischen Marke von 12000 Euro
  • Zu wählender Open End Turbo Put Optionsschein mit KO (Knapp über 12000 Punkte, wegen der Finanzierungskosten auf längere Sicht) Hebel 5 für insgesamt 2000 Euro.

Warum Hebel 5? – Warum 2000 Euro für eine Komplettabsicherung und geht das auch billiger?
Wie vorhin bereits gesagt, reagiert ein solcher Put in der Regel durch seinen Hebel immer stärker als der zugrundeliegende Basiswert, sehr selten gibt es Hebel unter 1 bei derartigen Optionsscheinen. Fällt der DAX um 1 Prozent, dann steigt der Put in diesem Fall unseres Beispiels um 5 Prozent. Teilt man die abzusichernde Summe durch den Hebel, dann hat man den Betrag zur Komplettabsicherung. 10000 Euro durch Hebel 5 = 2000 Euro. Der DAX ETF ist also in der nahezu Vollabsicherung nach Kauf des Optionsscheins. 10000 Euro Long als ETF und 10000 Euro Short (5×2000 Euro wegen Hebel) über den Put stehen sich so gegenüber. Fällt der DAX nun um 25 %, dann verliert der ETF 2500 Euro an Wert. Der Put gewinnt 5×25 = 125 % und somit genau die 2500 Euro, die der ETF verloren hat. Man könnte dieses Geld dann z.B. zum günstigeren Nachkaufen des langfristigen ETF nutzen.
Billiger geht das ganze natürlich auch zu Portfolioabsicherung, nur eben auch risikoreicher und wesentlich enger im Stopp bzw. der KO Schwelle, denn der Hebel muss nun höher sein. Bei einem Hebel von 10 z.B. benötigt man nur noch 1000 Euro um 10000 Euro im Falle des DAX ETF abzusichern. Dieser Put fliegt dann allerdings auch schon bei gut 11000 Punkten wertlos aus dem Depot!

Risiken bei der Vollabsicherung und ist eine solche Absicherungsquote überhaupt zu 100 Prozent möglich?
Das obere Beispiel zeigt die Basis eine möglichen Vollabsicherung eines ETF Portfolios bzw. eines einzelnen DAX-ETF. Wie aber ebenfalls erwähnt, sind die Finanzierungskosten der Optionsscheine mit einzubeziehen und das Risiko Performance zu verlieren, wenn die Optionsscheine ihre KO Schwelle erreichen. Steigt der DAX auf 12000 Punkte, dann hat man so zwar nichts verloren, bis auf vielleicht 10-15 Euro Gebühren für die Anschaffung des Turbo Puts. Jedoch löst sich der 2000 Euro „Versicherungswert“ komplett auf, was durch den Anstieg des ETF um 2000 Euro kompensiert wird. Ein weiteres Risiko ist wie bei allen Derivaten die mögliche Pleite des Emittenten. Gerade in massiven Wirtschafts- und Börsenkrisen, ist dies wie in der Vergangenheit schön zu sehen, nicht gerade unwahrscheinlich! Deshalb setze ich hier auch nicht auf kleine „Optionsscheinbuden“, sondern auf sehr große und lang am Markt agierende Banken. Bezieht man die Finanzierungskosten des Optionsscheins und die Gebühren der Anschaffung mit ins obere Beispiel ein, so kann man nicht von 100 % Absicherungsquote sprechen, sondern bis zum Wert von 12000 Punktenim DAX und je nach Länge eines vorhandenen Seitwärtstrends der die Haltedauer erhöht, eher von 95-98 % Absicherung.

ETF Portfolios lassen sich auch Teilabsichern – Wenn die Börse weiter steigt mache ich weniger Gewinne, wenn sie stark einbricht weniger Verluste…
Die Teilabsicherung ist genauso einfach wie die Vollabsicherung eines bestehenden ETF Portfolios. Will man z.B. nur 50 Prozent der Verluste bei einer gegebenenfalls anstehenden Korrekturphase am Aktienmarkt, in diesem Falle im DAX mitmachen, dann kauft man halt nur für 1000 Euro einen Hebel 5 Turbo Put Optionsschein. Eine Absicherungsquote über 100 Prozent ist natürlich auch möglich, wobei es sich dann nicht mehr um eine echte Absicherung, sondern um eine Short Spekulation auf fallende Kurse handelt.

Gezielte Absicherung einzelner ETF in einem umfangreichen ETF Depot mit Vorschlägen:
Das DAX ETF Beispiel war ein sehr leichtes und einfaches Beispiel zur ETF Depotabsicherung. Ein großer Teil der ETF Besitzer wird wohl den MSCI World als ETF oder den MSCI World Emerging Markets ETF besitzen sowie ggf. einen S&P 500 oder einen Euro Stoxx 600 ETF. Einen MSCI World ETF gegen fallende Kurse abzusichern ist wesentlich komplexer als einen DAX ETF mit einem Turbo Put zu versehen. Es gibt leider aktuell keine Auswahl an MSCI World Turbo Put Optionsscheinen. Hier sollte man sich schon etwas mehr auskennen und selbst dann dürfte nur eine höhere Teilabsicherung möglich sein. Der MSCI World ist aktuell eher ein amerikanischer Index als ein echter Weltindex. Über 60 % des enthaltenen Volumens fällt auf US Werte. Hier könnte z.B. die Teilabsicherung über einen S&P 500 Short erfolgen, der in Höhe des aktuellen US Anteils im MSCI World gewichtet wird. Bei einem Euro Stoxx 600 ETF wiederum abgespeckt mit einem Turbo Put auf den Euro Stoxx 50 oder einzelne europäische Großindizes. Anleihen lassen sich so ebenfalls absichern, zumindest teilweise über große Futures wie hierzulande den Bund Future oder in Amerika den T-Bond Future. Auch einzelne „Looser Aktien“ oder unbeliebte Werte aus einem Index lassen sich absichern. Wer z.B. in den DAX 30 investiert, dort aber die Zähne zusammenbeißen muss, weil er Aktien im Index findet in die einzeln er nie einen Cent investieren würde, es über den ETF aber zwangsweise muss, der kann den ETF kaufen und prozentual dazu die einzelnen Aktien je nach ihrer Indexgewichtung Shorten. Auch lassen sich Währungsabsicherungen von bestehenden ETF Portfolios mit Turbo Put Optionsscheinen tätigen. Dies macht z.B. beim MSCI World mit aktuell über 60 Prozent USD Anteil Sinn, wenn man davon ausgeht, dass der Euro gegen USD deutlich aufwerten könnte. In diesem Fall geht man im USD Short, oder kauft einen Call (Gegenteil von Put) auf den Euro zum USD.

Meine persönliche Buchempfehlung, wenn Einzelaktien für Dich als Investition ein Thema sind:
"Der entspannte Weg zum Reichtum*" von Susan Levermann
Statt z.B. nur das KGV (Kurs/Gewinn Verhältnis) oder KCV (Kurs/Cashflow Verhältnis) einer Aktie als Bewertungskriterium zu sehen, setzt die Autorin hier mit einem aus meiner Sicht wesentlich besseren und umfassenderen Bewertungsmodell an.



Fazit:
Absicherungsstrategien von bestehenden ETF Portfolios haben einen höheren Bedarf an Börsen Know How, als dies das einfache und langfristige Investieren in Standard ETF hat. Es sollte meiner Meinung nach auch bei der Investition in Open End Turbo Put Optionsscheine in Form einer Absicherung bleiben und nicht in eine Spekulation für Anfänger im Short Bereich enden. Ich würde auch einem Anfänger nie raten in Optionsscheine zu gehen, wenn er sich nicht ausreichend damit beschäftigt hat. In einem solchen Fall sollte man das ETF Portfolio lieber laufen lassen und gegebenenfalls bei ordentlichen Marktkorrekturen (mehr als 50 Prozent vom Allzeit-Hoch) die großen Indizes sogar langfristig nachkaufen. Egal was ihr an der Börse kauft, ihr müsst es verstehen und Euch über das Risiko der Instrumente bzw. Wertpapiere und deren Funktionsweise absolut im Klaren sein. Das gilt auch für simple ETF. Denn so simpel sind diese Exchange Traded Funds abseits der replizierenden ETF gar nicht! Etliche Anleger besitzen ohne dies zu wissen oder zu verstehen Swap basierte ETF mit einem sogenannten „Trägerportfolios“ und glauben wirklich in alle Aktien des unterliegenden Indizes direkt investiert zu sein. Das sind sie jedoch nicht, siehe auch: “Synthetischer Swap ETF vs. replizierender ETF“. Zwar gelten die Swap ETF als „sicher“, das galt Lehman Brothers vor der Krise aber auch… Ich besitze daher nur ETF, die wirklich ihre Werte in Form von Aktien und Anleihen sowie Wandelanleihen real kaufen und diese im Sondervermögen verwahren. Selbst meine gehaltenen und replizierenden ETF-Produkte nutzen teilweise zusätzliche Optimierungsstrategien für ihren Indexinhalt, aber in absolut überschaubaren Maßen! Ich möchte keinen MSCI World mit gut 1600 Aktien, welche im Originalindex enthalten sind durch einen synthetischen ETF ersetzen, der in Wirklichkeit vielleicht nur knapp 100 Werte als Trägerportfolio davon hält und den Rest über irgendwelche Derivate bei verschiedenen Banken in Form von Swaps hinterlegt.

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