Bedeutet finanzielle Freiheit wirklich frei zu sein?

Es benötigt schon sehr viel Geld, um von finanzieller Freiheit zu sprechen und so ein ständiges und möglichst gleichbleibendes passives Einkommen zu beziehen.

Dem Chef die Kündigung auf den Tisch legen und raus aus dem Alltag. Keine Verpflichtungen mehr. Keine schlaflosen Nächte aufgrund von Stress und Sorgen, wie man z.B. die nächsten Rechnungen bezahlen soll oder wann das Haus endlich abbezahlt ist. Und vor allem: keine Zwänge mehr. Nur noch machen, worauf man Lust hat. Klingt zunächst gut, ist es auch, wenn man tätig bleibt und weiterhin mit Leidenschaft seinen Hobbys, sozialen Kontakten und Zielen nachgeht.



Eine Definition für finanzielle Freiheit?
Genauso wie Eingans beschrieben stellen sich die meisten Menschen die finanzielle Freiheit vor. Kein Wunder, dass zu diesem Thema jede Woche neue Artikel und ganze Blogs entstehen. Wenn alle einem solchen Ideal hinterherrennen, lohnt sich die Frage, ob dieses Ideal auch wirklich für jeden so gut ist. Dazu sollte man vorab klären, was finanzielle Freiheit eigentlich bedeutet. Eine mögliche Definition ist: „Finanziell frei sind Menschen, die nicht mehr für Geld arbeiten müssen um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten“.

Diese Definition lässt sich relativ schnell erreichen, wenn auch nicht unbedingt einfach, teils auch mit viel Glück und geringen Chancen verbunden wie zum Beispiel beim Lotto spielen, bessere und sichere Möglichkeiten wie z.B. eine Selbständigkeit brauchen selbstverständlich viel mehr Zeit, dafür ist die Chance  auf finanziellen Erfolg im Gegensatz zum Glücksspiel natürlich auch viel höher und nachhaltiger. Ein Spieler aus einem ganz anderen Sektor mit Namen Chris Moneymaker ist ein gutes Beispiel für diese Definition. Sein Name ist dabei übrigens purer Zufall. Chris war Angestellter im Rechnungswesen in einem Industriebetrieb. Durch Zufall kam er zum Pokern und wurde dort erfolgreich. So erfolgreich, dass er seinen eigentlichen Job an den Haken hängen konnte und nur noch vom Pokern lebt und natürlich von seinem angehäuften Vermögen. Er arbeitet also nicht mehr für Geld in einem Job den er nicht mag, sondern arbeitet das, was seine Passion ist und müsste noch nicht mal sein Hobby das er zum Beruf gemacht hat weiterführen um an neues Geld zu kommen, denn er hat mehr als genug davon. Damit erfüllt er die Kriterien für die erste Definition der finanziellen Freiheit. Chris ist natürlich nur ein Beispiel und auch gleichzeitig eine Ausnahme. Die Wahrscheinlichkeit mit einem guten Job oder einer nachhaltigen Selbständigkeit reich zu werden ist deutlich höher als in seinen Fall, auch wenn reines Pokern und der mögliche Erfolg darin nicht ganz allein auf Glück zurückzuführen ist wie es z.B. bei Lotto Spielern der Fall wäre. Ich setze hier lieber auf solidere Einnahmequellen wie ich sie im Beitrag zum Thema „Privatier“ aufgezählt habe. Ja es ist möglich mit Lotto, Poker und Co reich zu werden, die Wahrscheinlichkeit ist aber mit anderen Einnahmequelle wesentlich höher und sicherer und sei es nur mit dem normalen oftmals ungeliebte 8-16 Uhr Job im Büro und analog dazu einem guten langfristigen Investmentsparplan über 2-3 Jahrzehnte.

Eine andere Definition der finanziellen Freiheit ist es, gar nicht mehr arbeiten zu müssen und nur von den Zinsen seines Ersparten leben zu können. Auch hier ist Chris ein gutes Beispiel. Er hat in seinem Leben über drei Millionen Dollar an Preisgeldern gewonnen. Solide investiert, kann er davon für immer leben. Eine Studie der Trinity-Universität in Texas fand heraus, das man bei einer guten Geldanlage das 25-fache seiner Jahresausgaben als Vermögen haben muss, um davon leben zu können. Wenn Chris also mit 10.000 Dollar im Monat auskommt, hat er jetzt schon ausgesorgt.

So viel zur Definition der finanziellen Freiheit.

Finanzielle Freiheit wirklich das „Endziel“
Aber ist finanzielle Freiheit wirklich das wichtigste Ziel? Sind mit ihrem Erreichen alle Probleme gelöst, so wie es sich viele Menschen vorstellen? Wahrscheinlich nicht. Viele Menschen erhoffen sich, mit genügend Geld nicht mehr arbeiten zu müssen. Damit kommt aber ein ganz anderes Problem, das man meistens gar nicht erwartet: Was tun mit der vielen freien Zeit? Am Anfang der finanziellen Freiheit erledigt man all die Dinge, die man schon immer mal machen wollte: Ausschlafen, Reisen, Sport, mit Freunden treffen. Aber irgendwann kommt eine Leere, wenn man keine Ziele mehr hat. Der Mensch braucht eine Tätigkeit und Ziele die er mit Leidenschaft verfolgt, um sich wohl zu fühlen. Deshalb sollte man immer einen Plan für die Zeit nach dem letzten Arbeitstag haben, dies gilt insbesondere auch für die ganz gewöhnliche Rentenzeit. Das bestätigt auch eine Studie des Instituts for Economic Affairs. Sie fanden heraus, dass Menschen im Ruhestand häufiger krank werden, öfter unter seelischem Stress leiden und sich selber auch als nicht so gesund wie noch während der Arbeit einstufen. Dies mag zwar zum einem mit dem Alter an sich zusammenhängen und gegebenenfalls körperlichen Beschwerden, doch ist auch die Psyche betroffen, wenn sich nicht selten Menschen als „nutzlos“ oder „nicht mehr gebraucht“ fühlen. Hat man dann keine Hobbys, Freunde oder sonstige Beschäftigungen wird die wohl ersehnte Freiheit gar nicht mal so schön wie vielleicht zunächst angenommen. Die finanzielle Freiheit ist so gesehen auch nichts anderes als ein Ruhestand, denn man hat das leider oftmals gezwungene Arbeitsleben zum reinen Lebenserhalt offiziell hinter sich.

Viel Geld, aber eventuell auch viele Geld-Sorgen
Von der seelischen Komponente abgesehen, kommt aber noch ein anderer Aspekt hinzu. Auch auf finanzieller Ebene muss man sich fragen, ob die finanzielle „Freiheit“ nicht nur ein Mythos ist. Wenn man sein Geld angelegt hat, ist man immer konjunkturellen Schwankungen unterworfen. Investiert man aktuell in deutsche Bundesanleihen, ist das Geld so gut wie sicher, aber die Rendite reicht nicht ansatzweise für eine ordentliche Rendite, im Gegenteil, bei kurzlaufenden Anleihen ist der Zins sogar im Moment negativ! Investiert man in Aktien, kann ein Crash den Traum der finanziellen Freiheit schnell beenden, insbesondere dann, wenn man nur auf 2-3 Werte gesetzt hat. Streuung und eine sinnvolle strategische Anlage sind hier die Devise um in Crashphasen möglichst viel von seinem Kapital zu erhalten, welches im Idealfall auch dann noch weiter ordentliche passive Einkommenserträge liefern kann, obwohl die reinen Kurse, also die Bewertungen der Investments angeschlagen sind. Siehe auch mein Beitrag „Meine ETF/Fonds/ETC Anlagestrategie optimiert



Fazit:
Die finanzielle Freiheit ist trotz aller möglichen Probleme die entstehen können ein lohnenswertes Ziel. Auch wenn sie nicht zum komplett „freien Leben“ reicht, gibt sie doch deutlich größeren Spielraum frei. Sie ermöglicht das Erfüllen von persönlichen Wünschen oder dem Traum nach einer Auszeit. Allerdings sollte man sich einen Plan zurechtlegen, was man mit der freien Zeit machen möchte. Sonst kann die finanzielle Freiheit schnell zur Belastung werden – so unwahrscheinlich es am Anfang auch klingen mag.


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