Der Brexit und seine langfristigen Auswirkungen auf die Börse und die Realwirtschaft, sowie weitere Risiken

Die ganze Nacht habe ich die wirklich spannende Wahl zum Brexit Referendum mitverfolgt. Am Ende siegten klar die Austrittsbefürworter. Der extreme Optimismus und die Siegesgewissheit die Tage zuvor, hatte die Börsen auf eine extreme Rallye geschickt und vor allem die europäischen Indizes hoch katapultiert. In solchen Situationen ist jedoch immer äußerste Vorsicht geboten, denn wenn eine solche Situation und künstlich aufgeheizte Marktlage, welche nur an ein Event gekettet ist enttäuscht wird, dann kommt es zu einem gewaltigen Knall an den Börsen. Was dann heute letztendlich auch passiert ist. Der DAX lag weit über 1000 Punkte im Minus, das Pfund fiel auf ein über 35 Jahrestief zum USD und auch für die nähere Zukunft wurden etliche charttechnische Marken nach unten hin gnadenlos durchbrochen. Doch was bedeutet der Brexit nun für die langfristige Börsenentwicklung, welche Folgen hat er für die Realwirtschaft und gibt es noch weitere möglicherweise  unterschätzte Risiken? Die persönlichen Auswirkungen auf meine Investitionen nach dem Brexit waren positiv. Mein reales passives Einkommen Depot ist dank der eingegangenen Absicherungspositionen über ein Mini Future Short Zertifikat auf den DAX sogar moderat um knapp 0,8 Prozent gestiegen. Sowohl mein öffentliches und investierbares Wikifolio „Eitelmann-Invest Global“, als auch mein ebenfalls investierbares Dach Wikifolio „Eitelmann Invest Dach Strategie“ konnten entgegen des Marktes ebenfalls moderat zulegen.

Der Brexit und seine langfristigen Auswirkungen auf die Börse, die Wirtschaft sowie unkalkulierbare Risiken für die gesamte EU
(Bye Bye Großbritannien, die Brexit Wählerschaft hat klar gewonnen, doch welche Auswirkungen könnte der Brexit auf die Börse und die Realwirtschaft haben und welche sonstigen Risiken entstehen langfristig für die EU?)

Ein lustiger Buchtipp am Rande, amüsant und lesenwert zugleich:
Fettnäpfchenführer Großbritannien: Wie man England mit links übersteht

Der Brexit und die langfristige Börsenentwicklung
Der Austritt Großbritanniens aus der EU steht nun fest, wie wirkt sich dies jedoch langfristig auf die Märkte aus? Die Meinungen gehen hier weit auseinander, ich vertrete eine eher konservative, jedoch nicht von der aktuellen Mehrheit vertretene Meinung

  • Das Wirtschaftswachstum wird etwas zurückgehen, so auch die Aktienkurse, sollten nicht andere alternative Handelsabkommen mit der EU geschlossen werden. Dies wird insbesondere den britischen und gesamten europäischen Markt treffen. Deutschland wird wohl ebenfalls ein klein wenig mit seinen Börsenkuren darunter zu leiden haben
  • Kommt es zu weiteren Austritten oder Austrittambitionen in der EU, dann könnte ein massiver Crash der gesamten europäischen Aktienwerte anstehen, sowie extreme Verwerfungen am Anleihenmarkt, insbesondere bei den möglichen Austrittskandidaten.
  • Das stark abgewertete britische Pfund hilft im Gegenzug der Wirtschaft enorm, da es den Export des Landes stärkt. Im Vergleich zu Deutschland allerdings viel geringer, da dessen Exportleistung niedriger ist. Der Effekt dürfte sich also mildernd auf eine negative Kursentwicklung der britischen Aktien, insbesondere von Exportunternehmen auswirken. Stark importabhängige Konzerne dürfte hingegen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Insgesamt gehe ich von einer leicht negativen Auswirkung auf die zukünftige weltweite Börsenentwicklung aus, welche nur in einem großen Crash endet, wenn weitere Kandidaten der EU zu wackeln beginnen, oder äußere Faktoren wie z.B. eine Asiencrash, insbesondere in China oder politische Krisenherde hinzukommen. Ich bleibe daher die nächsten Wochen und Monate mit einem kleinen Short Überhang sowohl in meinem passiven Einkommen Depot, als auch in meinen Wikifolios übergewichtet, sollte sich die Situation nicht bis dahin stark ins Positive ändern (eher unwahrscheinlich).



Der Brexit und die langfristige Entwicklung der Realwirtschaft Großbritaniens
Auch auf die Realwirtschaft hat der EU Austritt Folgen, am meisten zu leiden haben wohl folgende Wirtschaftszweige und Regionen:

  • Nordirland dürfte aufgrund der gekappten Handelsgrenzen mit Irland und Europa zu den größten Verlieren zählen. Seine wirtschaftliche Entwicklung ist am meisten gefährdet, ich bezweifle aber massive Einbrüche, wie sie teilweise im zweistelligen Prozentbereich von ganz pessimistischen Stimmen gesehen werden
  • Der Agrarsektor wird unmittelbar von EU Subventionen abgeschnitten, was den Bauern erhebliche Verluste zukommen lässt
  • Großbritannien dürfte tatsächlich 1-2 Prozentpunkte am BIP verlieren, sollte keine EU Handelbeziehung z.B. nach der Art Norwegens in Kraft treten. Man wird dies aber meiner Meinung nach sicher anstreben
  • Aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten dürften die Kapitalflüsse Richtung Finanzzentrum London als Direktinvestitionen in Aktien und Unternehmenskapital innerhalb UK etwas fallen

Der Brexit und die weiteren (meiner Meinung nach völlig unterschätzen!) Risiken für ganz Europa
Viel größer als die realwirtschaftlichen Auswirkungen oder die kurzfristigen Börsenbeben, dürfte allerdings die Signalwirkung von London bzw. Großbritannien an die mittlerweile in Europa äußerst unbeliebt gewordene EU gehen. Diese Auswirkungen könnten viel extremer werden als der eigentliche Brexit. Folgende Szenarien sind meiner Meinung nach möglich:

  • Andere Länder schließen sich den Austrittbemühungen an oder bilden direkte Referenden für ein „Pro“ und „Contra“ EU
  • Die rechten Parteien bekommen weiter Auftrieb
  • Die Stimmung in der Bevölkerung heizt sich weiter gegen die EU auf. Man sieht jetzt klar, dass es möglich ist das wacklige Staatengebilde „EU“ zu verlassen.
  • Kleinere Abspaltungen und EU Austritte oder auch Beitrittsbestrebungen werden geführt. Gerade eben haben sich erste Stimmen in Schottland mit einem eventuell neuen Referendum zum Austritt aus Großbritannien und für einen Verbleib in der EU ausgesprochen.

Fazit:
Kurzfristige Börsenauswirkungen und realwirtschaftliche Probleme in Großbritannien sind nur die Spitze des Eisberges. Insgesamt hat die EU ein Problem. Meiner Meinung nach mangelt es ihr an echter Demokratie, vor allem direkter Demokratie! Die EU wird von der Bevölkerung immer öfter als Diktatur gesehen, statt als demokratisch gewählte sorgsame „Regierung“. Sie ist dermaßen voll von Lobbyisten und Politikern die im eigenen Land keiner mehr braucht, dass man sie als unnötiges Konstrukt in der Bevölkerung wahrnimmt, an dem sich Politiker und Unternehmen bereichern. Die Machtlosigkeit gegenüber großen Problemen wie z.B. der Finanzkrise, der Flüchtlingskrise und dem Umgang mit staatlichen Pleitekandidaten, sowie brennenden Themen wie TTip mit gleichzeitiger Teilignoranz der Bevölkerung machen die EU weder glaubwürdig noch beliebt bei den Europäern. Viele sind daher dafür, dass der kaputte Subventionsladen zusammenbricht. Ich persönlich bin für Demokratie, diese wird aber meiner Meinung nach in der EU nicht richtig angewandt. Es sind eher Lobbyisten die Politik machen. Dies ist zwar in fast jeder Demokratie so, in der EU jedoch besonders stark ausgeprägt. Demokratie sollte vom Volk ausgehen, das sehe ich in der EU nicht, schon gar nicht im EU Parlament!

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