Sind ETF besser als Aktien? – Warum ETF in den meisten Fällen die bessere Wahl im Vergleich zu einem Portfolio aus Einzelaktien darstellen

Der S&P 500 kann sehr leicht über äußerst kostengünstige voll replizierende ETF abgebildet werden. Der einfache Kauf eines ETF brachte über derart lange Zeiträume gut 2000 % Gewinn ohne jegliche Aktivität des Anlegers. Die beim damaligen Kauf enthaltenen Einzelaktien, welche im S&P 500 im Jahr 1970 enthalten waren gibt es jedoch inzwischen in beträchtlicher Anzahl nicht mehr oder haben bis dato massiv an Bedeutung verloren.
Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...

Langfristig schlagen die wenigsten Fondsmanager und Profiinvestoren den Markt, dies ist bereits allseits bekannt. Das erstaunliche dabei ist jedoch, dass die professionellen Akteure größtenteils über enorme Ressourcen in Sachen Analysen, Hintergründe und sogar oftmals persönliche Treffen mit den Konzernführern und viele weitere Vorteile gegenüber dem gewöhnlichen Privatinvestor haben und es damit trotzdem nicht schaffen einfach nur ihren Index zu schlagen.
Gerade deshalb wurden die passiven Indexfonds (ETF) in den letzten Jahrzehnten so derart beliebt, da sie sich einfach „nur“ nahezu genau wie der Markt entwickeln. ETF verfügen über minimale Kostenstrukturen und kaufen wenn sie voll replizierend sind und maximal nur teilweise „optimiert“ werden einfach die Aktien am Markt 1:1, so wie sie im jeweiligen Index enthalten sind oder eben zumindest einen sehr großen Teil dieser Auswahl. Doch ist eine langfristige ETF Investition auch besser als der Kauf von Einzelaktien oder ein eigenes diversifiziertes Aktienportfolio?



Ist ein ETF Investment generell besser als die Investition in Einzelaktien?

Kein pauschales „Ja“ – Trotzdem würde ich allerdings für die langfristige Geldanlage immer zum breit gestreuten ETF Portfolio raten, anstatt sich auf ein 10-20 Werte großes aus Einzelaktien bestehendes Portfolio zu verlassen. Das hat mehrere Gründe, welche ich gleich ausführlicher ansprechen möchte. Es gibt schließlich immer wieder Aktienportfolios, die den Markt schlagen und oft auch sehr langfristig deutlich besser laufen als der Gesamtmarkt. Dies gilt auch für einige wenige Fonds im Vergleich zum gesamten verfügbaren Fondsangebot, die es ebenfalls überdurchschnittlich oft und nachhaltig schaffen ihren zugrundeliegenden Index zu übertreffen und dabei teilweise auch eine signifikante Outperformance liefern.

Warum lieber langfristig mehrere ETF im Depot anstelle von Einzelaktien?

Unter „langfristig“ verstehe ich einen Anlagehorizont von mindestens 10 Jahre, eher jedoch 20 oder 30 Jahre. Auf diese Sicht kann eine sehr gute Auswahl in Form einer moderaten Zahl von Einzelaktien 10-20 Werte die ETF und somit die Indizes zwar outperformen (sich besser entwickeln als der Index), die Wahrscheinlichkeit dafür ist allerdings eher gering. Natürlich kann man auch 1-2 Werte dabei erwischen die unfassbare 1000 Prozent oder einiges mehr erreichen, doch dazu gehört auch einiges an Glück. Es ist eher Wahrscheinlich das von den 10-20 Werten viele in dieser Anlagezeit vom Markt verschwinden, schlecht performen, oder ganze Branchen die heute als Zukunft gesehen werden nicht mehr existieren. Es muss also auch über die Zeit aktiv gehandelt werden, dazu kommen noch die damit einhergehenden höheren Gebühren. Viele ETF gibt es mit Null Prozent Orderentgelt zu kaufen und mit winzigen 0,1-0,3 % jährlichen Gesamtkosten. Aktien sind in einem solchen Fall als Einzelkauf selbst auf Sicht von 5-10 Jahren je nach Gebühren und Ordervolumen oft teurer, insbesondere wenn über die Jahre einige Positionen ausgetauscht werden müssen (Ausnahmefall große Ordersummen!). Beim ETF geht man bei extrem niedrigen Kosten nicht das Risiko ein mit hoher Wahrscheinlichkeit schlechter zu performen als der Gesamtmarkt und muss auch nicht aktiv handeln. Man kauft einmal zu Beginn, oder bei Korrekturen bzw. in Form eines Sparplans ständig nach. Hat man ein sehr breit diversifiziertes ETF Portfolio (Mein eigenes Portfolio ist hier ein sehr spezielles Beispiel), dann hat man nur sehr wenig zu befürchten und schläft auch bei einem Börsencrash von Minus 60-70 Prozent noch sehr gut, auch wenn natürlich Verluste dann für nahezu keinen Marktteilnehmer ausbleiben.

Der passive ETF vs. die einzelne Aktie – Warum die „passiven“ Exchange Traded Funds in Wirklichkeit gar nicht so passiv sind…

Es heißt immer so schön das ein Index ETF „passiv“ sei. Im Grunde ist er das auch was den Bezug zur Indexabbildung angeht. Er kauft die Aktien die im Index enthalten sind zu genau der Gewichtung mit der sich selbige im Index wiederwinden. Das ist selbstverständlich passiv, doch der Index selbst ist es nicht. Ein Index enthält immer die Werte die seinen Indexgrundlagen entsprechen. Schrottwerte fliegen über kurz oder lang aus dem Index heraus, das Gleiche gilt für Pennystocks, Zockerwerte oder Unternehmen die sich im freien Fall bis hin zur Pleite bewegen. Natürlich gibt’s es auch Indizes, die einiges von diesem Schrott beinhalten, doch ist dieser dann überwiegend und spätestens nach einiger Zeit nicht mehr besonders hoch gewichtet. Wenn man sich hingegen die großen Werte mit hoher Gewichtung in den meisten Indizes ansieht, dann sind es überwiegend auch genau die, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt haben, im Trend liegen, eine gute Perspektive vorweisen können aber auch schon kurstechnisch gut gelaufen sind. Bei weiter steigenden Kursen und dem Fortschreiten solcher Trends, steigt auch deren Gewichtung bis zum maximal zulässigen Wert immer weiter an.
Die passiven ETF müssen in diesem Fall immer mehr dieser gut laufenden Aktien kaufen, während sie die Schrottpapieren oder unterdurchschnittlichen Werte abbauen oder zumindest nicht mehr weiter akkumulieren. Der passive ETF macht dadurch genau das, was ein guter Anleger bei Einzelaktien tun sollte, aber oft eben nicht macht. Der ETF kann eines ganz wunderbar… jegliche psychologischen Effekte dabei ausblenden. Wer kauft schon gerne viele Aktien von Unternehmen die schon mehrere hundert oder tausend Prozent im Plus sind oder wer greift bei einem Turnaround Kandidaten rechtzeitig und sicher immer weiter zu, wenn dieser zuvor 80 % gefallen ist. Der Mensch wohl eher selten bis gar nicht, der Indexfonds jedoch automatisch… Dies spricht auch wieder für den ETF statt für Einzelaktien oder aktiv gemanagte Fonds.

„Aber meine Aktien haben Zukunft und schlagen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ganz sicher einen MSCI World ETF…“

Du hast eine Alphabet, eine Amazon, Facebook, Tesla, Apple oder Netflix Aktie im Depot und glaubst felsenfest das diese in den nächsten 20-30 Jahren besser läuft als der Gesamtmarkt? Wenn Du das wirklich glaubst, dann kaufe sie statt einen ETF oder zumindest als Ergänzung für ein ETF Portfolio. Ich kann Dir allerdings aus mittlerweile weit über 20 Jahren Börsenerfahrung sagen:

„Die wenigsten Unternehmen die aktuell ganz „toll“ und „zukunftssicher“ erscheinen wird es in den nächsten Jahrzehnten noch in ihrer jetzigen Form geben.“

Einige werden sogar ganz verschwinden oder als langweilige Aktie vor sich hinsiechen. Viele werden jedoch auch übernommen werden oder fusionieren mit anderen Konzernen. Einige wenige dieser Konzerne werden natürlich auch die nächsten 10 Tsd. Prozent Kandidaten sein. Die Frage ist halt nur: „Welche sind das?“ Am Ende der 1990er Jahre galt z.B. Nokia als der globale Handyhersteller schlechthin, die Zukunft des Telefons und das dominierende Unternehmen der Branche. Apple war ein winziger Konkurrent mit im Vergleich zu heute ebenso winzigem Image dagegen, teilweise war fraglich ob sich der damalige kleine Konkurrent der hauptsächlich auf Desktop Rechner, Laptops und eigene Software spezialisiert war noch lange halten konnte. Wie sieht es heute aus? Apple dominiert mit gewaltigem Abstand und unfassbar hohen Geldvorräten und Absätzen. Wie sieht es jedoch in 25 Jahren aus? Keiner kann das sagen. Vielleicht ist ja Apple in der jetzigen Stärke oder ggf. noch stärker da, vielleicht ist es aber auch ein ganz anderer Konzern der jetzt noch winzig ist oder ein großer Konkurrent aus einem etablierten Unternehmen. Mit einem ETF hast Du ihn womöglich schon in Deinem Depot.

Woher ich diese Gewissheit nehme und daher ETF statt Aktien bevorzuge?

Schau Dir doch einfach mal den Dow Jones, den S&P 500, die Nasdaq100 und den DAX vor 20 Jahren an. Du wirst feststellen, dass der überwiegende Teil der damaligen Unternehmen welche die Top 15 in diesen Indizes bildeten nicht mehr existieren, oder größtenteils zu vergleichsweise mittleren bis kleineren Werten geschrumpft sind. Manche wurden auch übernommen, fusionierten oder wurden zerschlagen und aufgespalten. Als ich mit der Börse anfing gab es auch schon wie zu jeder Zeit „die Zukunftswerte schlechthin“, die „ganz sicher“ die Zukunft bestimmen werden. Giganten wie der damals weltgrößte und erfolgreichste Handyhersteller Nokia, den Dell Konzern „der die PC’s von morgen produziert“, den Internetriesen yahoo und den Provider AOL und natürlich HP sowie das Schwergewicht General Electric, den Pharmakonzern Schering im DAX sowie Preussag oder Mannesmann usw.
Wer spricht im großen Stil heute noch über diese ehemaligen Giganten der Börse, welche der damaligen Werte existieren noch und wie viele führen davon ein Schattendasein? Geh noch weiter zurück in der Zeit und schau Dir den Dow Jones bei Gründung an oder den S&P 500. Du musst einzelne Werte heutzutage sehr akribisch suchen, die seit damals noch existieren. Es sind extrem wenige Unternehmen!

Meine persönliche Buchempfehlung, wenn Einzelaktien für Dich als Investition ein Thema sind:
"Der entspannte Weg zum Reichtum*" von Susan Levermann
Statt z.B. nur das KGV (Kurs/Gewinn Verhältnis) oder KCV (Kurs/Cashflow Verhältnis) einer Aktie als Bewertungskriterium zu sehen, setzt die Autorin hier mit einem aus meiner Sicht wesentlich besseren und umfassenderen Bewertungsmodell an.


Fazit:

Weit über 95 % der Werte verschwinden langfristig von der Börse, werden aufgekauft bzw. fusionieren oder gehen im schlimmsten Fall Pleite. Bereits auf Sicht eines Zeitraums von nur 25 Jahren fallen schon gut 50 % der Unternehmen weg. Dies ist ein Fakt der seit über 200 Jahren der jüngeren Börsengeschichte und noch weiter zurück in der Vergangenheit galt. Aus meiner Sicht spricht dies ganz klar zusätzlich gegen Einzelaktien, selbst auf einen Zeitraum von nur 15-30 Jahre. Der Aufwand und das Risiko der Underperformance oder sogar des Verlustes eines großen Teils meines Kapitals wäre mir persönlich einfach zu groß, wenn man es mit einem breit gestreuten ETF Portfolio vergleicht.
Ein ETF muss natürlich langfristig nicht zwangsläufig besser als eine einzelne Aktien sein, in der überwiegenden Mehrheit wird er dies aber aufgrund von häufigen Fehlentscheidungen bei der Einzeltitelauswahl und vor allem der menschlichen Psychologie. Ist man denn wirklich (völlig ohne Stress, grübelnde Gedanken und Sorgen!) immer bereit einen Wert der vorher 500 % gestiegen ist auch noch dann zu halten, wenn es mal 70 % abwärts geht? Wie ärgert man sich gegebenenfalls, wenn man verkauft hat und es geht danach nochmal 1000 % hoch? Das muss nicht sein, ETF sind da wesentlich stressfreier.

Zum Thema weiterführende Informationen und zusätzliche interessante Beiträge:




docmorris.de - Rezept einsenden und Bonus sichern. Mehr erfahren*


Wenn Dir dieser Beitrag gefällt, freue ich mich wenn Du ihn teilst...
Über Marco Eitelmann 355 Artikel
Mein Name ist Marco Eitelmann und ich freue mich, dass Dein Interesse für diesen Blog, der mittlerweile schon seit 2014 existiert, geweckt wurde. Auf dieser Webseite geht es hauptsächlich um die Themen: „Selbständigkeit, Blogging und Internetmarketing sowie Börse und damit verbundene Investitionsmöglichkeiten“. Ziel aus allen Themen soll ein möglichst stabiles, langfristiges und vor allem nachhaltiges passives Einkommen sein. Meine Qualifikationen: Ich bin finanziell selbständig und erfolgreich unabhängig durch meine Web-Projekte und meine Börseninvestitionen geworden und verfüge so über Wissen in diesen Bereichen aus erster Hand und langjähriger Erfahrung. Ich bin seit 1998 durchgehend privat am Kapitalmarkt tätig und habe von Aktien, Anleihen, Rohstoffen, Fonds, ETF bis hin zu Zertifikaten wie Turbo Optionsscheinen, Mini Future- und Bonus/Reverse Bonus Zertifikaten alles aktiv gehandelt. Ich habe sowohl den Crash von 2000 als auch den von 2007/2008 mit prozentual geringen Verlusten mitgemacht und kenne nicht nur die Sonnenseite der Märkte. Meine grundlegende Investitionsstrategie ist konservativ, global breit diversifiziert und langfristig ausgelegt.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*