Wie hoch sollte ich meine Aktienbestände im Depot absichern, Teil- oder Vollabsicherung gegen eine Korrektur oder einen Börsencrash?

Im letzten Teil der Reihe zur „einfachen Absicherung von Aktienbeständen im Depot gegen Börsencrashphasen„, möchte ich auf den Wert bzw. die eigentliche prozentuale Höhe der Absicherung eingehen. Es ist natürlich absolut individuell, wie hoch jeder Anleger seine Aktienbestände absichern möchte und hängt von vielen Faktoren ab. Der wichtigste Faktor ist wohl die eigene Risikoneigung. Da ich auf ein sehr breit gestreutes und eher konservatives Depot baue, sichere ich meine Aktienbestände in Extremphasen auch zu 80 Prozent ab. Warum es im Grunde noch nie 100 Prozent Absicherungsquote für meine Aktien im Depot waren, wie ich auf die prozentuale Höhe der Absicherungsquote komme und wie man sich eine einfache „Depotversicherung“ baut, das erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Die Höhe der Absicherungsquote von Aktienbeständen im Depot als automatisierter Vorgang:
Ich habe eine grundlegende Automatisierung in mein Depot eingebaut, welche bei einem Signal durch die im vorherigen Beitrag genannten einfache 38er und 200er Tage GD + charttechnischen Widerstands Strategie als Bestätigung des Long/Short Signals im DAX entsteht. So wie ein Signal erzeugt wird, sichere ich meine Aktienquote automatisch zu 50 % ab. Kursverluste treffen mich bei dieser Art der Grundabsicherung dann nur noch ca. zur Hälfte. Da ich nur zu 50 % in Aktien investiert bin, muss ich in diesem Fall auch nur 25 % meines Depots über Short Papiere absichern, was natürlich sehr kostengünstig umzusetzen ist. Nimmt man sich ein Hebel 5 Mini Future Short Zertifikat, dann kann man mit nur 5 % seines Gesamtkapitals in diesem Beispiel ungefähr 50 % seiner Aktienbestände schützen. Die Angabe „ca.“ und „ungefähr“ gilt deshalb, weil sich mit einem DAX Short eben nicht alle Aktien der Welt schützen lassen und der DAX sich auch besser oder schlechter entwickeln kann als die restlichen Weltindizes. Wie im vorangegangenen Beitrag aber bereits erwähnt, ist der Index extrem Konjunktur- und Exportsensibel und dürfte in der Regel stärkere Verluste einfahren, wenn es an den Weltmärkten so richtig kracht. Zudem entwickeln sich gerade dividendenstarke Werte und konservative Branchen weniger anfällig in Crashphasen. Genau diese Werte und Branchen habe ich auf der Aktienseite als Investmentschwerpunkt gesetzt, was eine zusätzliche leichte Absicherung bedeutet und ebenfalls die 50 % etwas in richtig konservativer Absicherung statt starrer Quote im positiven Sinne aufweicht. Was ich unter konservativen Aktien und Branchen verstehe erfahrt ihr in der siebenteiligen Beitragsserie: „Antizyklische Aktien aus sieben grundlegenden Branchen für ein langfristiges Investment

Absicherungen über die Automatisierung von 50 Prozent der Aktienquote hinaus:
Crashphasen verhalten sich immer recht ähnlich, sind jedoch nie gleich. Siehe auch den Beitrag: Abwärtstrends, Abwärtsphasen und Crashsituationen am Markt als Marktphase „erkennen“. Neben der automatischen 50 % Absicherung meiner Aktienbestände variiere ich bei besonders schlechten Fundamentaldaten mit der Höhe der prozentualen Absicherungsquote meiner Aktien, was im Extremfall sogar zu einer Absicherung von 100 Prozent meiner Aktienquote führen kann. Handelt es sich meiner Meinung nach bei einer Marktphase um eine einfache Korrektur, welche etwas stärker ausfällt, Beispiel „DAX Crash oder Korrektur worin liegt der Unterschied?“, dann bleibt es bei der automatischen 50 % Regelung. Ist diese Korrektur und die Auslösung des 38er und 200er GD Kreuzpunktes, sowie des Durchbruchs des vorher festgelgten Widerstandes, jedoch begleitet von wirklich schlechten und ausschlaggebenden Fundamentaldaten, dann wird die Absicherung je nach Lage auf bis zu 100 % erweitert. Diesen Fall gab es bisher für mich allerdings noch nicht, da meine Aktienbasis ohnehin konservativ gestaltet ist.

Beispiele für solch negative Fundamentaldaten können unter anderem folgende sein:

  • Politische Risiken und Entscheidungen
  • Große Terroranschläge
  • Kriegsereignisse
  • Platzen großer Investmentblasen
  • Starke Konjunktur Eintrübung
  • Sehr niedrige Rohstoffpreise ohne Erholungstendenzen
  • EZB/FED Entscheidungen (hauptsächlich Zinsentwicklung und Maßnahmen z.B. „quantitative easing“ kurz. QE)

Wie baut man sich eine einfache Depotabsicherung gegen fallende Aktienkurse?
Ich möchte hier ein einfaches Beispiel geben, wie eine Absicherung gegen einen Börsencrash oder gegen einen langwierigen Abwärtstrend am Aktienmarkt aussehen könnte. Da es wie bereits oben erwähnt alles etwas „verwässert“ werden kann, was die Absicherungs-Quote anbetrifft, möchte ich im Beispiel einen einfachen DAX ETF mit einem Mini Future Short Zertifikate auf den DAX gegen Kursrisiken absichern. Auch hier gibt es kleine Abweichungen, jedoch fallen diese in der Kombination nicht zu arg ins Gewicht.

Beispiel DAX ETF Wert 10000 Euro gegen Kursverluste zu ca. 50 % absichern:

  • Der Depot Wert durch den DAX ETF beträgt insgesamt 10000 Euro
  • Die Absicherungssumme müsste also 5000 Euro Short betragen, um 50 % abzusichern
  • Die Absicherung erfolgt im Beispiel durch Kauf eines Mini Future Short Zertifikates mit Hebel 5

Rechnung für die benötigte Depotabsicherung:

  • = Benötigter Absicherungswert (5000) Euro durch Hebel (5) = 1000 Euro Absicherungssumme
  • (oder) = Benötigte Absicherungsquote  (50%) durch Hebel (5) = 10 % des aktuellen Depotwertes

Es werden also 1000 Euro benötigt um 50 Prozent des DAX ETF Depots gegen fallende Kurse abzusichern, wenn eine Hebel 5 Short Zertifikat verwendet wird.

Bei einer Absicherung von 100 Prozent des Depots gegen einen erheblichen Crash am Markt wären 2000 Euro nötig, ebenfall bei einem verwendeten Hebel von 5, bei einem Mini Future Short Zertifikat.

Eine Absicherung des Depots ist eine Art Versicherung, welche natürlich Geld kostet und nur dann etwas bringt, wenn der Absicherungsfall auch eintrifft, die Märkte also faktisch stark korrigieren oder es zu einem ordentlichen Crash am Aktienmarkt kommt. Ansonsten kann man seine Absicherungssumme größtenteils als Verlust verbuchen. Erreicht ein Mini Future Zertifikat seine Knock Out Schwelle, dann kann man mit 95-100 % Verlust rechnen. Eine Art „Gebühr“ für die Versicherung, der man sich vorher voll bewusst sein muss! Je höher der Hebel gewählt wird, desto schneller wird man ausgestoppt und es kommt zu einem solchen Knock Out Ereignis. Der Vorteil an einem höheren Hebel liegt jedoch im finanziellen Aufwand für eine solche Absicherung. Bei einem Hebel von 10 im oben genannten Beispiel, braucht man nur noch 500 Euro um 50 % seines 10000 Euro DAX ETF Portfolios abzusichern. Bei Hebel 20 wären es nur noch 250 Euro, die einem Absicherungswert von 5000 Euro entsprechen. Hebel über 10 machen nur selten Sinn. Bereits ab einem Hebel von 10 muss der Markt nur noch 8-9 % nach oben laufen um die Absicherung wertlos werden zu lassen.



Fazit:
Absicherungen gerade von Aktienbeständen machen Sinn, sind jedoch absolut individuell vom Investor und dessen Risikoneigung abhängig. Dauerabsicherungen machen wiederum keinen Sinn, denn wer permanent 50 % seines Aktienbestandes absichern möchte, der kann auch einfach nur für die Hälfte seines Kapitals Aktien kaufen und die andere Hälfte für 0,1 % auf ein Tagesgeldkonto legen. Die Schwankungsbreite für das Gesamtkapital ist dann genauso hoch, als würde eine 50 % Absicherung gekauft werden. Der Unterschied ist allerdings, das keine Gebühren für den Kauf der Absicherung anfallen und man langfristig durch fehlende Kosten der Absicherung/en + die 0,1 % Zinsen besser fahren wird.

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