Synthetische ETF auf risikoreicher Swap Basis oder nur voll replizierende ETF kaufen?

ETF (Exchange Traded Funds) sind börsengehandelte Fonds, welche den Status eines Sondervermögens haben. Dies bedeutet, dass im Falle einer Pleite der Fondsgesellschaften das Geld der Investoren nicht in die Insolvenzmasse der betreffenden Gesellschaft bzw. des betreffende Unternehmen fließt und somit verloren wäre, sondern weiterhin im vollen Umfang dem Eigentum der Investoren zuzuordnen ist. Der Status des Sondervermögens ist unter anderem ein guter Kaufgrund für ETF, da dieses Geld bedeutend sicherer investiert werden kann, als es bei Zertifikaten der Fall ist. Fällt der Emittent eines Zertifikates aus, dann droht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals für die Investoren, selbst wenn das Zertifikat vorher in Aktien investiert war, die alle immernoch einen Wert aufweisen.
Wie sicher sind aber nun ETF wirklich? Nur wenige Investoren interessiert es, ob diese voll replizierend sind, oder größtenteils Swap basiert. Gerade mit den Swap basierten ETF, holt man sich über Umwege das Risiko eines Totalverlustes zurück in das Depot. Unabhängig des Status als Sondervermögen, kann hier durch eine Kontrahentenpleite ein extremer Wertverlust auftreten.

Die Unterschiede zwischen voll replizierende ETF vs. Swap basierten synthetischen ETF
Ein ETF beinhaltet im Idealfall exakt die Werte, in den er investieren soll. Als einfaches Beispiel sollte ein reiner DAX ETF genau alle 30 DAX Aktien in exakt derselben Aufteilung wie der Index beinhalten und das als ECHTE Aktien und somit ECHTE Werte!

  • Voll replizierende ETF
    Sie investieren möglichst 1:1 und mit möglichst geringer Abweichung in echte Werte in Form von Aktien, Anleihen und anderen Investments. Dabei kauft die Fondsgesellschaft diese Werte am Markt, sodass sie „physisch“ vorhanden sind. Dies kann man mit dem Aktienkauf einer Einzelaktie im eigenen Depot vergleichen, man besitzt sie tatsächlich und ist Eigentümer seiner Anteile.
  • Swap basierte ETF
    Swap basierte ETF kaufen die Aktie erst gar nicht, sondern gehen mit verschiedenen Banken bzw. sonstigen Anbietern ein so genanntes „Swap Geschäft“ ein. Dabei besitzt der ETF Anbieter keine Aktien, sondern nur eine vertragliche Möglichkeit auf ein Tauschgeschäft dieser Werte. Dadurch kommt zwar ein besonders naher Kurs an der jeweiligen Indexentwicklung zustande, jedoch befinden sich nur wenige echte Aktien, bis gar keine Werte im Besitz des ETF Anbieters. Nur der Glaube an den Vertrag und die Einhaltung des Tauschgeschäftes der Kontrahenten zählt. Fällt ein solcher Kontrahent jedoch aus, dann kommt es zu erheblichen Verlusten, bis hin zum Totalverlust! Dies geschieht selbst dann, wenn sich der Aktienmarkt an diesem Tag gar nicht bewegt hat.  Ein solches Risiko ist unabhängig von den Werten im ETF, was bedeutet, dass zu den Risiken der reinen Investition z.B. in Aktien ein zusätzliches Risiko gebildet wird, in Form von Insolvenzwahrscheinlichkeiten der Swap-Kontrahenten. Bleiben Forderungen an einen Kontrahenten offen, wirkt sich dies in den meisten Fällen schädlich für die Anleger in den jeweils betroffenen ETF aus.

Warum gibt es überhaupt die gefährlicheren Swap ETF?
Es hat mehrere Gründe warum es Swap basierte synthetische ETF gibt:

  1. Eine effizientere Abbildung eines Index ist möglich
  2. Nähere Performance am Markt
  3. Sehr kostengünstig
  4. Einfache Umsetzung durch die Anbieter

Wer z.B. einen Index mit 2000 Werten abbilden möchte, der muss bei einem echten, voll replizierenden ETF auch alle 2000 Aktien kaufen. Bei der synthetischen Swap basierenden Variante ist dies nicht nötig. Der Handel über viele verschiedene Märkte und Zeitzonen entfällt, sowie der höhere Verwaltungsaufwand, was natürlich sowohl Kosten als auch Abweichungen von der Indexentwicklung reduziert.

UCITS-Richtlinien Swap ETF und die wichtige 10 Prozent Grenze für Swap-Tauschgeschäft Kontrahenten
Da ein Ausfallrisiko eines Swap Kontrahenten eine große Gefahr birgt, wurden sogenannte UCITS-Richtlinien eingeführt, welche die Grenze auf das ETF Gesamtvermögen im Bezug zu einem Tauschgeschäft Kontrahenten und dessen Risiko auf 10 % begrenzen. Fällt dieser aus, wird nicht  im schlimmsten Fall der ganze ETF finanziell eliminiert. Was passiert jedoch, wenn mehrere Kontrahenten bei Swap ETF ausfallen und eine Kettenreaktion auslösen?

Weitere Nachteile von synthetischen Swap basierten ETF
Möchte man wissen wie sicher oder unsicher ein Swap basierter ETF ist, dann muss man ständig die Ratings und Pleitewahrscheinlichkeiten seiner Kontrahenten überprüfen. Zum einen ist das eine Menge Arbeit, zum anderen auch nicht immer mit allen Informationen möglich. Wer die Lehmann Pleite erlebt hat, der weiß, dass ein Rating auch nicht unbedingt eine unumstößliche „Wahrheit“ beinhalten muss.

Vorsicht, auch replizierende ETF können teilweise Swap Geschäfte beinhalten!
In den ETF Verkaufsprospekten replizierender Produkte werden teilweise kleinere Swap Geschäfte zugelassen. Ist ein Großteil eines ETF jedoch voll am Markt repliziert, dann ist das Risiko zwar einzukalkulieren, aber selbst im schlimmsten Fall relativ gering, zumindest was seine Auswirkungen auf den ETF selbst angeht.



Fazit, sollte man überhaupt Swap basierte ETF wegen des Risikos kaufen?
Ein synthetischer Swap ETF nach UCITS-Richtlinien ist aufgrund vieler Vorkehrung schon in seinem Risiko begrenzt. Gerade die 10 % Grenze der Kontrahenten ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Das nicht einige Swap-Kontrahenten gleichzeitig am Markt ausfallen, kann mir allerdings niemand garantieren. Ich kaufe lieber ETF die auch echte Aktien halten und so wenig wie möglich in Swap Geschäfte involviert sind. In meinem Privatdepot besitze ich nur zwei replizierende Blackrock ETF („Ishares“), den iShares S&P SmallCap 600 und den iShares MSCI Emerging Markets Small Cap. Ansonsten gebe ich den guten alten Fonds den Vortritt und traue dem ganzen synthetischen Swap „Neuheiten“ einfach nicht über den Weg.

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