Kann man wirklich Zeit sparen? Nein!

Zeitsparen hier, Zeitsparen dort, alles schneller erledigen spart Zeit, ein neues Computerprogramm, auch das spart Zeit, Flexibilisierung spart Zeit usw.
Wir hatten noch nie so viele Stunden Freizeit zu Verfügung gehabt wie heute, trotzdem hat niemand wirklich Zeit. WARUM?

Kann man überhaupt Zeit sparen?
Nein kann man nicht und das ist auch schon der wichtigste Punkt. Man kann Zeit nur nutzen, man kann sie nicht anhalten, man kann sie nicht sparen, vermehren oder irgendwann in der Zukunft verbrauchen. Man kann Zeit einfach nur jetzt und hier nutzen.

Kann man Zeit verplanen?
Nein, auch das geht nicht, das einzige was man verplanen kann sind Aktivitäten, die man glaubt innerhalb einer Zeit zu schaffen, oder von denen andere Menschen glauben, oder es „delegieren“ diese Aufgaben in der vorgegebenen Zeit schaffen zu müssen.

Warum haben wir keine Zeit?
Wir haben immer noch dieselbe Zeit wie vor 1000 Jahren, jedoch mit einer anderen Zeitaufteilung und unzähligen völlig unnötigen, teils nahezu schwachsinnigen Beschäftigungen, sei es privat oder beruflich. Durch ineffiziente und unnötige Tätigkeiten, oder „wirtschaftliche“ Projekte und Planungen, die am Ende zu nichts führen, aber irrsinnig viel Zeit „kosten“. Wir haben eine Planungs- und Zeitmanagement Industrie, die bis in den Sekundentakt plant und für ihre Planung wiederum Zeit benötigt. Ich habe nichts gegen Planung, ich plane selbst sehr viel, jedoch realistisch, langsam, nachhaltig und konservativ. Das sind 4 Begriffe mit denen die meisten Menschen nichts mehr anfangen können.

Realistisch:
In einer Zeit in der 25 % Rendite normal sein sollen, eine Frau Kinder versorgt, Vollzeit arbeitet, Karriere macht und natürlich nebenbei eine Selbständigkeit aufbaut und sich ehrenamtlich engagiert, ist das Wort REALISTISCH völlig fehl am Platz. Immer mehr Rendite, immer mehr Druck und immer mehr Konkurrenz lassen die Führungen vieler Branchen verzweifeln. Immer mehr Aufgaben und Ziele sollen mit immer weniger Kosten durchgeführt werden. Immer weniger Menschen sollen immer mehr leisten. Ist die Grenze des Machbaren erreicht, dann wird trotzdem noch weiter „geplant“, manchmal glaube ich wohl eher „gewürfelt“ oder „ausgelost“. Meistens von denen die selbst entweder keine Ahnung haben, oder nie selbst diese „unteren“ Arbeiten ausgeführt haben, mt denen die Ergebnisse erreicht werden sollen. Herraus kommt aus all dem unrealistischer Planungs-Müll. Realistisch planen, das ist heute ein sehr seltener Wert und führt daher bei nicht beachten zu Zeitverschwendung, denn die Planung muss spätestens bei nicht Erreichen korrigiert werden, neue Maßnahmen müssen erstellt werden und natürlich die Frage: „Warum nur haben wir das nicht erreicht“ muss ebenfalls in den Raum geworfen werden! Es wird heute teilweise so geplant, dass eine Planung von fast allen Betroffenen als nicht realistisch und durchführbar angenommen wird. Konsens: „Packen wir eh nicht, da völlig unrealistisch, ist aber so, wurde ja so geplant, interessiert eh keinen“. Zombiearmee lässt grüßen….



Langsam:
Oh mein Gott, er hat LANGSAM gesagt! Was ist das denn heutzutage für ein katastrophaler „Wert“. Langsam ist heute etwas schreckliches, ein unwirtschaftlicher Begriff, der Tod des Privatlebens und der Wirtschaft!
„Langsam“ ist in Wirklichkeit etwas Gutes, sowohl bei Projekten, Planungen, als auch im Privatleben. Es werden unzählige, teils von vorne rein unrealistische und sinnslose Projekte in den Unternehmen gestartet, viele davon werden nicht einmal zu Ende geführt, geschweige denn real umgesetzt, trotz der Zeitverschwendung die mit ihnen einher gegangen ist. Projekte müssen heute komplett zeitlich durchgeplant sein, manche Projekte haben ein Projektteam für das Zeitmanagement des Projekts selbst. Ein Projekt für die Zeit des Projekts. Meilensteine usw. und das übliche von der Stange BlaBla sind obligatorisch mit dabei. Manchmal ist dann schon der erste Meilenstein erreicht, wenn man sich auf das  Zeitmanagement, oder ein Formblatt für den Projektablauf geeinigt hat. Dann wird das Projekt schnellstmöglich mit Druck durchgearbeitet. Wäre man hier „langsam“ und bedacht gewesen, dann könnte man sich so einige Mehrkosten, Risiken, Komplikationen usw. sparen. Die Wahrscheinlichkeit dass ein langsam durchgeführtes und hinterfragtes Projekt eine Katastrophe verhindert oder auch neue Chancen eröffnet, ist deutlich höher als umgekehrt. Projekte sind heute teils inflationär und im Grunde oft bedeutungslose Zeitverschwendung.
Auch Privat hat man mehr von seinem Leben wenn man öfter Mal etwas langsamer ist. Beim Wandern durch den Wald, wenn man im Laufschritt und mit mp3 Player im Ohr „durchrennt“ und gleichzeitig auf dem Smartphone seinen Facebook Account checkt, sieht man eben keine Tiere und entspannt auch nicht. Alles Ok, aber langsam und nacheinander!

Nachhaltig:
Ein toller Trendbegriff, von denen die meisten gar nicht wissen was er für das Privatleben oder ihr Unternehmen bedeutet. Nachhaltig ist bestenfalls ein Begriff, den die Wirtschaft für die Umwelt, oder für ein paar Werte (Image Werte) geschaffen hat. Wie man hingegen nebenbei nachhaltig Menschen, Ressourcen, Natur und Lebensgrundlagen vernichtet, das ist kein Problem. „Das Projekt ist fertig, es hat Zeit gekostet, es hat Geld gekostet, es hat Arbeit gemacht…. Auf zum nächsten Projekt, dieses Mal noch schneller bitte!“
Nein, das ist ganz und gar nicht nachhaltig!
Nachhaltig bedeutet auch mal etwas nicht zu tun, wenn dessen mögliche positive Folgen nur kurzfristiger Natur sind und langfristig unkalkulierbar, oder sogar negativ werden können. Hat man nur einen Wald und holzt ihn komplett ab, bedeutet das kurzfristig einen super Gewinn, langfristig ist es eben das Ende. So ist das auch im Privatleben (wie kann sich jetzt jeder selber denken)

Konservativ:
Noch so ein schlimmes Wort! Konservative Planung wird heute von den meisten Untenehmen verachtet. Heute heißt die Planung „anspruchsvoll“ „sportlich“ oder auch nett „ambitioniert“, oftmals drei Wörter die man schnell mit „unrealistisch“ „größenwahnsinnig“ und „lol“ ersetzten kann. Konservative und realistische Planung gibt Sicherheit! Sich absolut realistische Ziele zu setzten und diese dann häufiger zu übertreffen macht mehr Sinn und gibt auch mehr Freude und Motivation. Es senkt auch deutlich das Risiko eines Unternehmens, als ständig zu sagen: „Wir haben es wieder mal nicht geschafft“. Im Privatleben ist es das gleiche, sei es bei der Diät bei der ein 140 Kilo Mensch in 6 Monaten auf 60 Kilo runter will, oder in der Lebensplanung: „25 Jahre, Haus, 2 Autos, Familie, 3 Kinder, Hund, Traumjob und RTL DSDS gewonnen“. Nein das macht nicht glücklich und hat auch schon viele Menschen und Unternehmen in den Ruin getrieben. Konservativ zu sein ist ein guter Wert, zumindest was Planung betrifft!

Fazit: Zeit kann man nicht sparen, man kann sie mit sinnvollen Aktivitäten verplanen, oder mit sinnlosen Beschäftigungen verstreichen lassen, die Entscheidung liegt bei einem selbst.

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Ein Gedanke zu „Kann man wirklich Zeit sparen? Nein!“

  1. Diesen Artikel zu lesen hat mir sehr viel Freude bereitet. So viele wahre Worte. Ich werde wohl mal wieder hier vorbei schauen.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg und Freude mit deinem Blog.

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