Aktienkurse verbilligen, lohnt es sich langfristig aus Investorensicht seine durchschnittlichen Kaufkurse zu drücken?

So ziemlich jeder Investor oder Trader hat zu Beginn seiner ersten Börsenjahre eigene Erfahrungen mit dem Thema „Aktienkurse verbillige“ bzw. „Durchschnittliche Kaufkurse an der Börse senken“ gemacht. Die meisten Argumente sprechen zunächst gegen ein ständiges Verbilligen von Kaufkurse, egal ob es sich nun um Aktien, Anleihen oder auch Fonds handelt, wobei letztere hier oft ausgenommen werden. Fakt ist, in den meisten Fällen, vor allem für Trader ist das Verbilligen von Aktieneinstandskurse ein schlechter und oft rein emotionsgesteuerter Ratgeber. Wie verhält sich dies jedoch als Investor und macht es vielleicht sogar in manchen Situationen auch für einen Trader Sinn Aktienkurse oder generell Börsenkurse zu verbilligen? Dies und einiges mehr in meinem dreiteiligen Beitrag, zu den Themen: Das „Verbilligen von Aktienkursen“ aus Investoren Sicht und aus Trader Sicht mit je zwei Beispielen, sowie das sinnvolle Verbilligen von Kaufkursen aus langfristiger Sicht und welche Vorraussetzung es unbedingt dafür geben muss.

Wie das verbilligen von Aktienkursen funktioniert?
Das verbilligen von Einstandkursen an der Börse funktioniert ganz einfach. Wenn Aktien, Anleihen, Währungen oder auch Indizes fallen, dann kauft man einfach zu billigeren Kursen immer wieder nach. Dass dies jedoch gerade langfristig und nicht in jeder Situation gut sein kann sollte klar sein. Hier ein kleines einfaches Beispiel.

Tag 1, Aktie X, Kurs 100 Euro, Kauf 10 Aktien = 1000 Euro
Tag 20, Aktie X, Kurs 50 Euro, Kauf 10 Aktien = 500 Euro

Wir haben in diesem Beispiel auf einen Einstandskurs von 75 Euro verbilligt, da der Durchschnittskurs der gesamten 20 Anteile „nur“ 75 Euro beträgt. Die erste Hälfte wurde für 100 Euro gekauft, die zweite Hälfte für 50 Euro. Kauf man unterschiedliche Stückzahlen, dann wird der Durchschnittkurs natürlich verändert. Je mehr Aktien dann zu 100 Euro gekauft wurden, desto höher wird der durchschnittliche Kaufkurs werden und je mehr zu 50 Euro gekauft wurden, desto niedriger wird er ausfallen. Eine einfache Durchschnittrechnung.

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„Die Aktie kann doch nicht noch tiefer fallen….?“
(Aus Investorensicht falsch gehandelt)
Die meisten Marktakteure machen wohl eher unfreiwillig mit dem Thema „Kurse verbilligen“ Erfahrungen. Man hat sich eine Aktie nach langer Suche oder auch Hals über Kopf zugelegt und glaubt fest an einen weiteren Anstieg. Oftmals sind es auch gerade „Werte“ bei denen man sich selbst, oder durch Meinung von fremden Personen (meist die schlechtesten Ratgeber) gewaltige Gewinne verspricht. Fallen diese Aktien, dann ist man nicht selten dazu geneigt nachzukaufen. Man kann es ein wenig besser in einem kleinen Beispiel verdeutlichen:

  • Tag 1 Aktie „Newcomer Biotec-Supergeil AG“ (Großer Durchbruch wird versprochen!)
  • Tag 5 Aktie „Newcomer Biotec-Supergeil AG“ fällt 10 % (Durchbruch kurz vor Veröffentlichung, Markt wird nervös)
  • Tag 20 Aktie „Newcomer Biotec-Supergeil AG“ liegt schon 20 % vom Kaufkurs entfernt (Der „Durchbruch“ war doch nicht so toll, es bleibt ein wenig Rest-Fantasie im Markt, da weitere Produkte angekündigt wurden)
  • Tag 40 Aktie „Newcomer Biotec-Supergeil AG“ crasht und liegt bereits 50 % unter Einstandkurs (Erwartungen enttäuscht, Produkte werden lange verschoben, Durchbruch war keiner)

Aus Investorensicht hat man nun je nach Art seiner Investmentpolitik drei Fehler gemacht

  1. Als konservativer Investor hätte man die Biotec-Supergeil AG erst gar nicht kaufen dürfen, als hoch spekulativer Investor wäre es vielleicht noch Ok gewesen
  2. Bis Tag 20 hätte man noch halten können, dann aber dringend ein knappes Stop Limit setzen, auf keinen Fall mehr nachkaufen dürfen
  3. Am Tag 40 nachzukaufen ist wohl eine rein emotionale Tat, davon sollte man komplett die Finger lassen, allein die Aktie bis dahin gehalten zu haben ist fatal!

„Die Aktie bleibt doch fundamental gut und ist gerade sehr günstig am Markt zu haben“
(Aus Investorensicht richtig gehandelt)
Man hat sich als Investor eine Aktie ausgesucht, welche zu den großen Topmarken der Welt gehört, seit Jahrzehnten Gewinne schreibt und Wachstum aufweist, sowie eine schöne Dividende zahlt. Idealerweise ist sie in einer sehr konservativen Branche und breit aufgestellt. Der Wert ist bereits gefallen ohne nennenswerte Unternehmensnachrichten. Der Gesamtmarkt steckt gerade in einer heftigen Korrektur.

  • Tag 1 Aktie „Nahrungsmittelgigant Schweizer Senior AG (Keine negativen Nachrichten)
  • Tag 30 Aktie „Nahrungsmittelgigant Schweizer Senior AG“  ist um 10 % gefallen (Der Gesamtmarkt hat einen extremen Abwärtstrend aufgebaut und insgesamt weitere 30 % verloren)
  • Tag 60 Aktie „Nahrungsmittelgigant Schweizer Senior AG“ ist inzwischen um 15 % vom Kaufkurs gefallen (Der Gesamtmarkt hat weiter korrigiert, die „Nahrungsmittelgigant Schweizer Senior AG“ hat mit leichten Gewinneinbußen aufgrund der weltweiten Konjunkturflaute zu kämpfen)
  • Tag 100 Aktie „Nahrungsmittelgigant Schweizer Senior AG“  liegt nun 25 % vom Kaufkurs entfernt (Grund, die Gewinnerwartungen wurden reduziert, Markt für hochpreisige Lebensmittel aufgrund globaler Wirtschaftkrise belastet)

Aus Investorensicht hat man meiner Meinung nach mit jeden Nachkauf keinen Fehler gemacht, wichtig sind dabei ebenfalls 3 Punkte

  1. Das Unternehmen ist in einer grundsoliden Branche mit möglichst geringer gesamtwirtschaftlicher Abhängigkeit (antizyklische Unternehmen)
  2. Es werden keine großen Warnungen oder andere Meldungen, wie z.B. Unternehmensteilverkäufe, starke Gewinneinbrüche, Skandale usw.) während dieser Abwärtsphase veröffentlicht
  3. Das Unternehmen läuft besser als der Gesamtmarkt und zeigt relative Kursstärke.


Fazit:
Selbst die konservativsten Unternehmen können natürlich in Schieflage geraten, weshalb ein ständiges Nachkaufen insbesondere bei sich stark verschlechternden Fundamentaldaten eines solchen Unternehmens nicht immer sinnvoll ist. In den meisten Fällen werden aber genau die Konzerne aus konservativen Branchen mehr Stabilität und Nachhaltigkeit aufweisen als andere konjunktursensible Unternehmen, welche extrem abhängig von der Kaufkraft und Investitionstätigkeit der Bevölkerung, der Industrie, sowie der Handels- und Dienstleistungssektoren ist. Rein spekulative Nachkäufe und Aktienkursverbilligungen, gepaart mit Hoffnung und hoher Emotionalität gehen hingegen zu 80-90 Prozent schief.

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